Aus dem Kochtopf der Evolution

Auf zweierlei Art

Obwohl chemische und physikalische Gesetze die meisten Ausdrucksformen der Natur bestimmen, bleibt ihre Fülle rätselhaft und faszinierend.
Ähnlich, aber auch gleich? – Diese grundlegende Frage, die bei vielen Forschungsarbeiten der zentrale Punkt ist, wird bei Ines Braun mit einer Messerspitze Fachwissen gewürzt, mit einer Prise Humor abgeschmeckt und im „Kochtopf der Evolution“ zu einem leicht verdaulichen Gericht zubereitet. Von der „Domestikation nach Hausfrauenart“ bis zur „Klonung á la Nukleintransfer“ beschäftigt dieses Projekt sich mit den Möglichkeiten des Ähnlichen.



Klonen á la Nukleintransfer (schwierig, für Profis)

ZUTATEN
1 Eizelle eines weiblichen Tieres einer beliebigen Säugetierart
1 Embryonal- oder Körperzelle der selben Art
Nährlösung
Leihmutter

ZEIT
Aufgrund der hohen Fehlversuchsrate einige Jahrzehnte einplanen

1.     Eizelle aus weiblichem Tier entnehmen und entkernen.
2.     Vorbereitete Embryonal- oder Körperzelle aus Nährlösung nehmen und ebenfalls entkernen. Diesen isolierten Kern in die Eizelle injizieren. Unbedingt darauf achten, daß beide Zellen sich in inaktivem Zustand befinden.
3.     Chemische und elektrische Methoden einsetzen um die Eizelle zur Verschmelzung und Teilung anzuregen.
4.     Fertige Eizelle (Embryo) im Reagenzglas beiseite stellen, anschließend in die Leihmutter einsetzen und reifen lassen.
5.     Die Klonung ist gelungen, wenn aus der zusammengesetzten Eizelle ein
lebensfähiges Individuum entstanden ist, ein genetischer Zwilling des Spendertieres.


Domestikation nach Hausfrauenart (mittelschwer, gelingt nicht immer)

ZUTATEN
1 Population einer höhrer entwickelter Wildtiere z. B. Vögel oder Säugetiere
Käfige oder Ställe mit Auslauf
Futter

ZEIT
Etliche Generationen bis zu einigen hundert oder tausend Jahren

1     Individuen aus der Population heraustrennen, die wünschenswerte Eigenschaften in Gestalt oder Verhalten aufweisen.
2     Die Tiere an den Menschen gewöhnen, regelmäßig füttern und Unterstand bieten.
3     Tiere mit optimalen Eigenschaften paaren. Zuchtbuch anlegen.
4     Aus den Nachkommen diejenigen wählen, bei denen sich die besten Eigenschaften weitervererbt haben, in die Zuchtgruppe eingliedern.
5     Diese Zuchtwahl für etliche Generationen beibehalten. Darauf achten, keine nahen verwandten Tiere zu kreuzen. Von Zeit zu Zeit frisches Erbmaterial aus Genbänken unterheben.
6     Die Domestikation ist gelungen, wenn nahezu alle Nachkommen die wünschenwerten Eigenschaften aufweisen und sosehr an den Menschen gewöhnt sind, dass sie nicht ohne weiteres in ihr ursprüngliches Habitat zurückkehren können.


Rückzüchtung

Re-Torte

Allopatrische Artbildung, Variationen aus dem Eintopf (gelingt leicht)

ZUTATEN
1 Population einer Art mit guter genetischer Varietät
2 voneinander isolierte Lebensräume mit unterschiedlichen Bedingungn wie Temperatur, Nahrungsangebot oder Vegetation ...

ZEIT
Einige Generationen bis zu tausenden Jahren

1.     Die Population zu gleichen Teilen trennen und dabei auf eie gute Durchmischung der Geschlechter achten.
2.     Tiere locker über beide Lebensräume geben.
3.    Nun alle bereit gehaltenen Selektionsmechanismen dazugeben.
4.     Beide Mischungen für etliche Generationen gären lassen.
5.     Bei Bedarf mit weiteren Selektionsmechanismen abschmecken.
6.     Die Artbildung ist fertig, wenn die Tiere der beiden Lebensräume durch untrerschiedliche Anpassung an ihre Umwelt keine fruchtbaren Nachkommen mehr miteinander zeugen können.


Konvergenz (Aus Feld und Wald)
gelingt nur mit viel Glück

ZUTATEN
2 Populationen verschiedener Tierarten, die in der Ernährung oder im Aussehen Ähnlichkeiten aufweisen
1 Lebensraum mit extremen Bedingungn z. B. Klima oder schwer zugänglicher Nahrung

ZEIT
Einige tausend Generationen

1     Populationen bereit stellen.
2     Lebensraum und Nahrungsangebot sorgfältig auswählen und Populationen einsetzen.
3     Selektionsmechanismen dazugeben und mit einem ganzen Bund „Natürliche Selektion“ würzen.
4     Besondere Bedingungen verschärfen, dann beiseite stellen und einige hundert Generationen gären lassen.
5     Mix probieren und notfalls Lebensbedingungen verändern oder verschärfen.
6     Das Experiment „Konvergenz“ ist erst gelungen, wenn sich bei unterschiedlichen Tierarten
aufgrund von ähnlichen Lebensbedingungen gleiche anatomische Merkmale entwickelt haben.